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Frédéric Chopin - 24 Préludes Op.28 (180 g)

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Martha Argerich: Piano
Produktion und Aufnahmeleitung: Rainer Brock
Tonmeister: Heinz Wildhagen

Sowohl Johann Mattheson als auch Johann S. Bach arbeiteten an einem Zyklus quer durch alle Tonleitern: Ersterer in seiner Generalbass-Schule, Zweiterer in seinem wohltemperierten Klavier. Der tonartliche Zyklus faszinierte auch Frederic Chopin: Sein 28. Werk enthält 24 Präludien, die im Quintenzirkel angeordnet sind (C-Dur, a-Moll, G-Dur, e-Moll usw.) und nicht wie bei Bach chromatisch verlaufen.
Die Preludes sind mit wenigen Ausnahmen auch als Konzertetüden über jeweils ein oder zwei spezifische pianistische Probleme zu deuten. Durch das zyklische Spielen entsteht eine Dramaturgie von Kontrast und Abwechslung. Während z.B. im 1. Stück die Mittelstimme hervorgehoben wird, muss man im Stück mit der Nr. 8 die Unabhängigkeit der Hände trainieren, Stück Nr. 5 und Nr. 19 sind Begleitfiguren und hervorgehobene Diskontmelodie zur Stärkung der schwachen Außenfinger. Jedem Stück wird so eine spezielle Aufgabe zugeteilt, die die Pianistin Martha Argerich mit ihrem vorzüglichen Klavierspiel bravourös meistert. Der Zuhörer darf einem herausragenden Spiel lauschen, das musikalisch sehr abwechslungsreich ist.

Plattentext:

Ehrgeizige Komponisten bemühten sich seit jeher, die Spieltechnik der Instrumente bis an ihre Grenze auszunutzen oder sie zu erweitern. Bis zum 17. Jahrhundert erlaubte die Stimmung von Tasteninstrumenten nicht, in Tonarten mit vielen Vorzeichen zu musizieren, und erst die gleichschwebende Temperatur schuf Abhilfe. Die Freude der Komponisten darüber hat sich durch Jahrhunderte frisch erhalten - bis zu Chopin und über ihn hinaus. Nach Erscheinen der berühmten Schrift Werckmeisters Musicahlische Temperatur und wahrer mathematischer Unterricht, wie man ... ein Clavier ... woltemperirt stimmen könne (1686) soll Johann Jacob Froberger eine Canzone durch alle Tonarten komponiert haben. Johann Kaspar Ferdinand Fischers Ariadne musica (1702) geht durch immerhin 17 Tonarten; eine Generalbaß-Schule Johann Matthesons (1719) enthält Stücke in allen 24 Tonarten; 1722 erscheint Johann Sebastian Bachs Präludien- und Fugenzyklus Das Wohl-temperierte Klavier, im gleichen Jahr ein musikalisches Labyrinth durch alle Tonarten von Friedrich Suppig, Organist in Dresden. 1750 wieder ein Wohltemperiertes Klavier des Bach-Epigonen Bernhard Christian Weber - das sind nur einige Beispiele.
Im 19. Jahrhundert gilt die Fuge nur noch als historische Form - konsequent, daß Frederic Chopin den Kreis der Tonarten nur mit Präludien ausschreitet, wiewohl er selbst auf die Beschäftigung mit Bach verweist, die für die Preludes (1838/39) nicht unwichtig war. Wie Bach bezieht er frühere Arbeiten ein (Nr. 2 und Nr. 24 von 1831). anders als Bach ordnet er die Stücke im Quintenzirkel (C-dur, a-uroll, G-dur, e-moll usw.), nicht chromatisch. Klar, daß die Preludes zyklisch zu spielen sind, die Reihenfolge läßt eine Dramaturgie von Kontrast und Abwechslung erkennen. Noch 80 Jahre später wirkt die Idee nach, durch alle Tonarten zu komponieren, obwohl sich Tonalität und Funktionsharmonik aufzulösen beginnen: Claude Debussys Preludes (1910 und 1915) umfassen nicht zufällig zweimal zwölf Stücke. Restaurative Komponisten stellen sogar die barocke Standardform wieder her: Paul Hindemith im Ludus tonalis- (1942), Dmitri] Schostakowitsch in seinen 24 Präludien und Fugen (1950/51).
Chopins Preludes folgen nicht bloß einer musiktheoretischen Idee, sind auch nicht, wie George Sand, auch Franz Liszt oder Hans von Bülow es sehen wollten, von außermusikalischen Programmen bestimmte Charakterstücke. Die französische Ausgabe ist Camille Pleyel gewidmet - doppeldeutig: denn auch die Frau des Klavierbauers und Komponisten, Marie Felicite Denise, eine ausgezeichnete Pianistin, wurde Camille Pleyel genannt. Die deutsche Edition ist dem Virtuosen und Verfasser schwieriger Etüden Joseph Christoph Keßler zugeeignet. Die Widmungen spiegeln Chopins Interesse an der Klaviertechnik, und wirklich sind die Preludes mit wenigen Ausnahmen (etwa die Mini- Mazurka Nr. 7, oder Nr. 20) auch als Konzertetüden über jeweils ein oder zwei spezifische pianistische Probleme zu deuten. Das gilt auch für das 1834 Pierre Wolff gewidmete. erst posthum 1918 erschienene As-dur-Prelude, ein Bindeglied zu den Etüden.
So soll in Nr. 1 die im Rankenwerk der Akkordzerlegungen verborgene Melodie als Mittelstimme hervorgehoben werden, ähnliches gilt für Nr. 8, wo zudem Triolenfiguren die Spannweite der Linken und die rhythmische Unabhängigkeit der Hände trainieren. Konstanter Anschlag eines Ostinatotons in Akkorden (Nr. 6), versteckte Mehrstimmigkeit in komplizierten Läufen (Nr. 5, Nr. 19), Begleitfiguren und hervorgehobene Diskontmelodie zur Stärkung der schwachen Außenfinger (Nr. 9), Artikulationsübungen (Tonrepetition in Nr. 11, Abziehen der Hand in Nr. 12), Geläufigkeitstraining mit Handstrekkungen rechts, Treffübungen mit großen Sprüngen links (Nr. 16), zweistimmiges Legato links (Nr. 20) - das sollen nur einige Hinweise sein. Das 1841 entstandene Prelude op. 45, dem Verleger Schlesinger gewidmet. erscheint mit seinen höchst bemerkenswerten Modulationen durch die entlegensten Tonarten wie eine nachträgliche Zusammenfassung der von den Preludes verkörperten Zyklus-Idee. Dietmar Polaczek

Titel:

Seite 1
Nr. 1 C-dur
Nr. 2 a-moll
Nr. 3 G-dur
Nr. 4 e-moll
Nr. 5 D-dur
Nr. 6 h-moll
Nr. 7 A-dur
Nr. 8 fis-moll
Nr. 9 E-dur
Nr. 10 cis-moll
Nr. 11 H-dur
Nr. 12 gis-moll
Nr. 13 Fis-dur
Nr. 14 es-moll

Seite 2
Nr. 15 Des-dur
Nr. 16 b-moll
Nr. 17 As-dur
Nr. 18 f-moll
Nr. 19 Es-dur
Nr. 20 c-moll
Nr. 21 B-dur
Nr. 22 g-moll
Nr. 23 F-dur
Nr. 24 d-moll
Prlude cis-moll Nr. 25 op.45
Prlude As-dur Nr. 26 op.posth.

  • Musikstil: Klassik
  • Interpret: Frédéric Chopin
  • Titel: 24 Préludes Op.28
  • Audiophile LP (180 g)
  • Label: Deutsche Grammophon
  • Bei uns im Jahr 2010 erschienen
Klang 1 Pressung 1
Lieferstatus:
verfügbar
Art.Nr.:
2530721
29,00 €
(inkl. 19% MwSt.)
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