Aglaja Camphausen Thomas Falke -- Underwater Calling

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Meyer Records
Klang 1 Pressung 1
180 g
ArtikelNr: No 240
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Aglaja Camphausen - Cello, Gesang
Thomas Falke - Kontrabass

Schön, dass diese wunderbare Schallplatte veröffentlicht wurde. Eine Schallplatte, die in einer Küche aufgenommen wurde und die gleichzeitig unser Monats-Highlight wird! Geht das überhaupt? Ja, es geht, und wie! In der Kitchen-Recording-Series ist die sehr hörenswerte LP „Underwater Calling“ erschienen. Eingespielt wurde diese von der Violoncellistin und Sängerin Aglaja Camphausen und dem Kontrabassisten Thomas Falke. Und zwar in der akustisch dafür hervorragend geeigneten Küche aus der Jahrhundertwende des rührigen Labelchefs Werner Meyer von Meyer Records. Müsste man das Album musikalisch einordnen, so träfe Kammer-Folk-Jazz-Pop dies wohl am besten. Aber muss man dies unbedingt? Nein, muss man nicht. Was man allerdings tun sollte, ist zuhören. Und das lohnt sich aus mehreren Gründen. Zum einen führt einen die reduzierte Instrumenten-Auswahl mit Cello und Kontrabass in die Mitte der Musik. Dabei nützen übrigens beide Künstler ihre Instrumente auch als Percussions. Zum anderen verfügt Camphausen über eine klare, ausdruckstarke und klangfarbenintensive Gesangsstimme. Dazu kommt die hervorragende Aufnahme, direkt, ohne Overdubs und ohne doppelten Boden, und die daraus konsequent hervorgehende Soundqualität. Und wie immer setzt Werner Meyer ein ästhetisch-grafisch und meisterhaft-fotografisches Statement. Er versteht es „seine“ Künstler im wahrsten Sinne des Wortes in Szene zu setzen und gehört damit im kreativen Prozess auf Augenhöhe zum Kreateur des voll überzeugenden Gesamt-Kunstwerks. Das erfordert Leidenschaft, Empathie und Professionalität. Diese Edition ist auch etwas Besonderes, da es die letzte Aufnahme in der Edition der Kölner-Kitchen-Recording-Series ist. Aber Werner Meyer wäre nicht Werner Meyer, wenn er nicht schon an seinem neuen Wohnort in Husum an der Nordsee diese Kitchen wie im Original nachbauen ließ. Man darf also zukünftig gespannt sein. Aber kommen wir nun zu den zehn Songs des Albums. Voller Eindringlichkeit startet die LP mit „Forget About“. Das gestrichene Cello mit diesem ganz besonders intensiven Ton und der sonor-kraftvoll im Hörraum stehende Kontrabass bilden eine unauflösliche Einheit. Darüber kommt Campenhausens Stimme besonders zum Strahlen. „All The World Is Green“ von Tom Waits startet mit geschmackvollen Flageolett-Tönen. Sie versteht es, dieses Cover zu ihrem ganz eigen interpretierten Lied zu machen. „Dust, Flesh And Bones“ swingt und groovt sehr geschmeidig und in den Bann ziehend. Die Stimme kommt hier aus dem Innersten der Seele. Ein weiteres sehr gelungenes Cover ist Tim Hardins „If I Were A Carpenter“. Mit maximalen Sound und Rhythmus startet der Song. Es ist schon sehr beeindruckend, welchen Drive hier Double-Bass und Handclapling erzeugen. Falke ist schon wahrlich ein Tief-Ton-Meister, gewissermaßen ein Musterschüler Poseidons. „Love Came Here“ kommt mit maximalem Blues- und Gospel-Feeling. Seite B beginnt mit „Anyone And Everyone“. Dieser Song klingt so klasse, dass er sich bestens als Boxen- und Anlagentester für High-End-Freaks eignete. Willie Nelsons „I Never Cared For You“ klingt noch lange nach, lange noch nachdem sich der Tonarm schon längst von der sauber gepressten 180-Gramm-Scheibe gelöst hat. Der Klang ist allererste Sahne, direkt, offen, effektfrei, dynamisch und sehr natürlich. Er lässt uns die Akustik in der Küche hervorragend nachvollziehen. So muss Musik sein, so muss ein Highlight sein. Die Schallplatte kommt im wertigen Hochglanz-Cover inklusive gefütterter Innenhülle. wb

Überspielung-/ Vinyl-Mastering Günter Pauler, Pauler Acoustics, Nordheim.
Auf 500 Stück limitierte Edition.

Titel 1-9 aufgenommen, gemixt und gemastert durch Ren Klebs in der Küche von Werner Meyer, Meyer Records, Köln.
Titel 10 aufgenommen, gemixt und gemastert durch Reinhard Kobialka in den Topaz Audio Studios, Köln.y
Premastering & Direct-Metal-Mastering (DMM) durch Hans-Jörg Maucksch, Pauler Acoustics, Northeim.
Presswerk R.A.N.D. MUZIK Record Manufacturing Leipzig
Design Meyer Originals. All Fotos aufgenommen von Karl Werner Maria Meyer
Produziert von Aglaja Camphausen, Thomas Falke & Werner Meyer für Meyer Records 2021
Innenhülle. wb



Liner Notes von Aglaja Camphausen

Wenn ich Musik mache, wenn ich singe, wenn das Instrument von alleine zu klingen anfängt, dann ist es wie in einer anderen Welt. Es existiert eine Zwischenwelt.

Es gibt diese Bilder mit einem räumlichen Eindruck von Tiefe, 3D Bilder, auf die siehst du eine Weile und es stellt sich ein neues Sehen ein. Und sobald die Augen in der richtigen Spannung/Entspannung sind, kannst du sie schweifen lassen und dich in einer neuen Welt umsehen.

Das nennt man stereoskopisches Sehen.

Wenn nun also das Bewusstsein im Strom von Musik, Klang und Text in die richtige Spannung/Entspannung gerät, wenn ich sozusagen eine Weile in die Musik hinein höre, bis sich ein neues Empfinden einstellt, gelange ich beim Musik machen in einen Zustand, in dem Töne, Melodien, Klänge und Phrasen andere Dimensionen annehmen. Und ich weiß nicht, wohin es mich führen wird. Atmosphäre, Licht, Ambiente, Ausdehnung ich kann mich umsehen im Flow. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, die Zauberwelt nicht zu stören und sie zunächst einmal wirken zu lassen. Erst dann kann ich anfangen, eine Ecke genauer anzusehen, ich sehe alles genau an, neugierig, ruhig, ohne Wertung. Es ist aufregend, da ich nie weiß, was sich entfalten wird.
Und schließlich beginne ich damit, diese Welt zu beeinflussen. Mit Stimme, Ton, Intensität, Tempo aber vor allem mit meinem Bewusstsein, meinem Willen. Bewusstheit im Unbewussten. Ich nehme ganz sachte und vorsichtig Einfluss auf verschiedene Parameter, auch hier lasse ich mich leiten von was eigentlich? Ich wage mich daran, eine Farbe klarer leuchten zu lassen, ein Gefühl stärker zu fokussieren, einen Klang zu nuancieren, die Stimmung leicht einzutrüben oder aufzuhellen: fahl oder strahlend, laut oder leise, sanft oder brutal, pastellen oder grell. Oder alles dazwischen. Und es beginnt meine Phantasiereise in der Anderswelt, in der ich vor Verzücken acht geben musst, um sie nicht aus Versehen zu stören.

In diesem Kosmos macht es keinen Unterschied, um welche Art von Musik es sich handelt. Denn die Wahrheit ist: berührend ist, was berührt. Und zwar den Interpreten. Also mich. Und alles was mich tief berührt wird auch den Zuhörenden tief berühren, wenn es gelingt, diese Tiefe zum klingen zu bringen. Ich kann ein Publikum idealerweise mitnehmen in meine Welt und durch seine Energie, durch seine Imagination erweitert sie sich und nimmt unmerklich andere Dimensionen an. So erschaffen wir gemeinsam unser musikalisches Erleben, es ist ein Geben und Nehmen.
Und je besser die Musik, je mehr sie in mir klingt, desto aufregender. In ihre Sphäre einzutauchen macht süchtig.

Die Komposition legt die Schienen, die Lokomotive ist das Instrument. Und dann beginnt das mäandern durch Landschaften - mit und ohne Mitreisende.

So fühlt sich stereoskopisches Hören an.

Mein Elternhaus war geprägt von klassischer Musik, mein Vater war Geiger im Gürzenich Orchester Köln und ließ zu seinem Vergnügen entweder Mozart oder Wagner in Überlautstärke im Wohnzimmer laufen. Immer war Musik eben auch Klassik mein tiefstes Empfinden, meine größte Begabung, mein Tor zur Phantasie. Während meinem Cellostudium führte ich mit den Mit-Studierenden endlose Diskussionen, in denen ich sie zu überzeugen versuchte, dass es möglich ist, eine Farbe zu spielen. Noch heute denke ich, dass es geht die Kraft der Assoziationen müsste so stark sein, dass der Zuhörer das gleiche „sieht“ wie man selbst. Das Studium eines Instrumentes setzt neben dieser Musikalität und Imaginär-Fähigkeit allerdings zunächst einmal jahrelang stundenlange Beschäftigung mit Technik, Fingersätzen, Bogenübungen usw. voraus, damit du all das irgendwann wieder vergessen kannst um sorglos die größten technischen Schwierigkeiten hinzunehmen auf dem Weg in die musikalische Zwischenwelt.

Meine Einflüsse waren vielfältig. Frank Zappa, verehrt von meinem großen Bruder, er nun wieder verehrt von mir. Er hatte alle Platten Zappas und zog mich oft in sein Zimmer um mir diesen genialen Gitarrenriff, jene verrückte Idee, den absurden Text vorzuspielen und mich so in Zappas Welt einzuführen. Und dann: Can! in allen Plattenstapeln der Familie zu finden. Ich selber fing früh an, mir von meinem ersten Geld Can-Platten zu kaufen, die ich immer noch mit viel Empathie höre. Der Schlagzeuger Jaki Liebezeit, mit dem zu arbeiten ich das Glück hatte, als ich für Aufnahmen mit dem Singer-Songwriter Robert Coyne zunächst als Cellistin, dann als Backgroundsängerin engagiert war. Liebezeit bin ich fast wie ein Groupie gefolgt, wenn er im Stollwerk oder im Rhenania in Köln mit Drums of Chaos getrommelt hat. Ihn konnte ich überall raushören. Einer seiner von mir sehr geschätzten Sätze ist, dass das Metronom sein größter Lehrmeister war. Auch ich sehe im klaren, unerbittlichen Rhythmus eine große Freiheit. Und natürlich: Holger Czukay! Er hat meine Jugend so unendlich bereichert mit seiner rhythmischen, melodischen, poetischen Elektronik. Quasi wie ein Wegbereiter für Electro und House, auch diese Musik oft für mich genial. Czukays Album „On the way to the peak of normal“ drehte sich ständig auf meinem Plattenteller.

So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass ich, nach einer Karriere als Cellistin, klassische Sängerin, Revue-Göre und Gastgeberin meines eigenen (klassischen) Salons nun ein Album vorlege, dass eine völlig neue musikalische Sprache spricht. Diese Stückauswahl und die Reduzierung der Besetzung auf Stimme, Kontrabass und Cello bietet so viel Raum für mein musikalisches Empfinden, dass es an dieser Stelle meiner Laufbahn folgerichtig erscheint: die Reduzierung auf Wesentliches. Weg mit dem „Schnick Schnack“ und her mit der Quintessenz.

In dem Kontrabassisten Thomas Falke, der sich mit mir so bereitwillig auf die Suche nach dem Wesentlichen gemacht hat, fand ich den perfekten Komplizen, weil auch er über eine tiefe Musikalität und einen Blick über den „klassischen“ Tellerrand verfügt. Die Arbeit mit ihm war wirklich fruchtbar statt viel zu reden, verständigten wir uns rein musikalisch und hielten immer dann inne, wenn sich ein Zuviel einschleichen wollte. So entstanden diese Arrangements, die sich dem Wesen der Lieder durch rare Tongebung und Mut zur Pause nähern wollen. Gleichzeitig schafft es Thomas, an den passenden Stellen herrlich zu grooven.

Als Initiator und Produzent dieses Albums hat Werner Meyer mit seinem untrüglichen Geschmack den größten Anteil an dieser Aufnahme. Er hat die erstaunliche Gabe, gute Musik und gutes Musizieren sofort zu erfassen, auch wenn Genre oder Machart ihm fremd sein mögen. Für ihn zählt nur: Geht mir nahe oder lässt mich kalt. Ich habe immer gewusst, dass man seinem Geschmack trauen kann und in der Auswahl der aufgenommen Lieder hat er wieder einmal sein Talent bewiesen zu wissen, was zu mir, zu uns passen könnte. Eines der einflussreichsten Lieder der Folk-Ära „Four strong winds“ von Ian Tyson war meine erste Aufnahme in dieser Besetzung für das Meyer-Records-Album Volume One. Damals habe ich zu ihm gesagt: Werner, für dich mache ich fast alles, aber Country??? Und dann ist diese Version von Thomas und mir ein heimlicher Hit auf besagtem Album geworden, weil wir sie entschlackt und auf uns zugeschnitten haben. Und Werner hatte es vorher gewusst.

Für seine Reihe Kitchen Recording Series haben wir dann an einem Sonntag Nachmittag alle Songs dieser Platte hintereinander eingespielt. Ohne doppelten Boden, ohne Schnitt. Jeder Song aus einem Guss. Wir waren wie im Rausch. Alles in Werner Meyers Altbauküche, die eine so tolle Akustik hat. Jeder, der schonmal aufgenommen hat weiß, was es bedeutet, einen 5 Minuten Track wie zum Beispiel „Dust, flesh and bones“ am Stück aufzunehmen: ein unpassender Ton, ein Knarzen des Stuhls beim Hinsetzen um ein Cello-Solo zu spielen bedeutet schon, alles noch einmal zu machen, wieder tief in die Empfindung einzutauchen. Aber wie durch ein Wunder sind uns stimmungsvolle Gesamtaufnahmen gelungen.

Die von Werner vorgeschlagenen Songs waren mir vorher sämtlich unbekannt und sind mir doch sofort zu Kleinoden geworden. Da ist zum Beispiel „Anyone and everyone“, das mich tief beeindruckt geschrieben, wie auch noch andere Songs unserer LP, von der einzigartigen Lhasa de Sela. Der Text, auf den ersten Blick tröstlich, voller Licht und Zufriedenheit, sät doch subversiv Zweifel so, als wär alles Glück zerbrechlich: „Theres not enough breath in a single day to pray everyone will be ok“. Um diese Fragilität zu erzeugen lasse ich am Anfang des Liedes nur verloren die Stimme klingen. Noch stärker berührt mich die Verwundbarkeit und Brüchigkeit, die aus meiner Lieblingsnummer „Dust, Flesh and bones“, im Original von Matt Elliott, sickert. Dieser Song enthüllt, wie sehr alles vergänglich, ja sogar morbide ist. „In the disparate clamour of the chaos that surrounds you It's hard to know which of the voices that you hear are your own“. Hier schlichen sich bei Thomas und mir unwillkürlich Pausen ein, wie ein Tasten, wie ein ständig neues Erspüren. Doppeldeutigkeiten sind es, die meine Phantasie anregen und merklich in mir widerhallen.
Schön, dass da dann auch noch Stücke sind wie „If I were a carpenter“ oder „Memories are made of this“ (für das Thomas als Intro eine wunderbare Verfremdung für Cello und Bass geschrieben hat!), die einfach nur fluffig, wolkenlos und voller Verbindlichkeit daher kommen. Eindeutig ein wohltuender Einfluss Thomas, der immer auch sehr viel Positives mitbringt.

Diese Aufnahmen legen mein Zeugnis ab über das, was in der Musik ausdrückbar ist, was allerdings Worte allein nicht sagen können. Über das, was ich beim Musizieren und Erleben der vorliegenden Songs empfunden, wahrgenommen habe und das ist nie vorhersehbar. Über das, womit ich in Resonanz gehe, dem Hellen und dem Dunklen.
Tanz, auch wenn der Boden unsicher ist, aber tanz. Trau dich. Denn nichts ist sicher. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Worten ist für mich erst durch unsere durchsichtige, reduzierte Besetzung möglich geworden. Danke Thomas. Danke Werner.

Underwater calling. Ich wünsche euch beim Anhören dieses Albums Assoziationen und Ausflüge in Phantasiewelten. Hauptsache Musik. Denn die Wahrheit ist: berührend ist, was berührt.

Aglaja


Titel:

Seite A:
01 Forget About 3:35 [Sibylle Baier]
02 All the World is Green 3:44 [TomWaits]
03 Dust Flesh and Bones 5:38 [Matt Elliott]
04 If I Were a Carpenter 2:33 [Tim Hardin]
05 Love Came Here 04:25 [Lhasa De Sela]

Seite B:
06 Anyone and Everyone 04:17 [Lhasa De Sela]
07 Where Do You Go 4:27 [Lhasa De Sela]
08 I Never Cared For You 2:48 [Willie Nelson]
09 Memories Are Made of This 4:34 [Gilkyson/Dehr/Miller]
10 Four Strong Winds 4:10 [Ian Tyson]



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